Sonntag, 9. Oktober 2011,
17.00 Uhr,
Staatliche Bibliothek (Provinzialbibliothek) Neuburg
Sonntag
9. Oktober 2011, 17.00 Uhr
Staatliche Bibliothek (Provinzialbibliothek) Neuburg
Dresdner Handschriften
Ensemble NeoBarock
• Programm
• Besetzung
• Zum Programm
Programm
Georg Friedrich Händel (1685-1759)
Sinfonia B-Dur, HWV 339 für 2 Violinen und Basso continuo
Allegro Adagio Allegro
Johann Adolf Hasse (1699-1783)
Sonate für 2 Violinen und Basso continuo
Johann Georg Pisendel (1687-1755)
Sonate D-Dur für Violine und Basso continuo
Allegro Larghetto Allegro
Johann Adolf Hasse (1699-1783)
Sonate für 2 Violinen und Basso continuo
Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Sonate e-Moll, BWV 1023 für Violine und Basso continuo
[Präludium] Adagio ma non tanto Allemande Gigue
Nicola Porpora (1686-1768)
Concerto a 3 für 2 Violinen und Basso continuo
Adagio sostenuto Allegro Adagio Allegro
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Besetzung:
Volker Möller | Violine Roger Graham Hargrave 1997,
nach Nicola Amati |
| Maren Ries | Violine Leopold Widhalm, Nürnberg 1769 |
| Ariane Spiegel | Violoncello Ekkard Seidl 1999,
nach Antonio Stradivari |
| Fritz Siebert | Cembalo Titus Crijnen 2004,
nach Johannes Ruckers |
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Zum Programm
Als glanzvollste Zeit des Dresdner Musiklebens und als Inbegriff der kulturellen Blüte Sachsens gilt die Zeit der sächsisch-polnischen Union (1697-1763), die mit der Wahl Augusts des Starken zum König von Polen einsetzte und bis zum Ende des Siebenjährigen Krieges reichte. Im Zentrum des Dresdner Musiklebens dieser Epoche stand die Hofkapelle, die unter ihrem seit 1733 amtierenden Kapellmeister Johann Adolf Hasse und dem Konzertmeister Johann Georg Pisendel weltberühmt wurde. Auch die weiteren Kapellmitglieder, wie die Komponisten Porpora, Lotti und Heinichen, die Instrumentalvirtuosen Volumier, Veracini, Weiß, Zelenka und Buffardin, die Gesangsstars Durastanti, Tesi, Senesino u. a. zeigen, dass Dresden als ein Musikzentrum europäischen Formats gelten durfte.

Staatliche Bibliothek (Provinzialbibliothek) Neuburg
Das instrumentale Repertoire der Dresdner Hofkapelle spiegelte diese großartige personelle Besetzung wieder und umfasste Musik von und für die besten Musiker des 18. Jahrhunderts. Pisendel selbst fertigte zahlreiche Partiturabschriften an, die er teilweise mit aufführungspraktischen Einzeichnungen versah. Als im Jahre 1760 infolge preußischen Artilleriebeschusses das höfische Notenarchiv verbrannte, blieben nur diejenigen Musikalien übrig, die an anderer Stelle gelagert oder noch in Gebrauch waren. Zu ihnen gehörten glücklicherweise die zahlreichen Manuskripte Pisendels. Etwa zehn Jahre nach Pisendels Tod wurden diese nicht mehr verwendeten Noten alphabetisch sortiert und minutiös beschriftet im "Schranck No: II." abgelegt, und gerieten dort zunächst in Vergessenheit. Ungefähr hundert Jahre später wurden sie durch den Hofkapellmeister Julius Rietz (1812-1877) wiederentdeckt. Daraufhin versah der Bibliothekar der Königlichen Privat-Musikaliensammlung und Flötist der Hofkapelle, Moritz Fürstenau, die Manuskripte mit neuen Signaturen und arbeitete sie in den Bestand der Königlichen Privat-Musikaliensammlung ein. Mit deren übertragung an die Königliche öffentliche Bibliothek (1896) gingen die Manuskripte an eine Vorgängerinstitution der heutigen "Sächsische Landesbibliothek Staats- und Universitätsbibliothek Dresden" über, der sie gegenwärtig angehören. Zusammen mit der übernahme des Notenmaterials von Hofkirche und Hofoper entwikkelte sich so eine der bedeutendsten historischen Musiksammlungen Deutschlands.
Zahlreiche virtuose Violinwerke sind in "Schranck No: II." zu finden, was nicht verwunderlich ist, galt Dresden doch als eine Hauptdomäne der deutschen Geigerschule und Pisendel als einer der besten Geiger seiner Zeit. Vermutlich hat Johann Sebastian Bach seine 6 Sonaten und Partiten für Violine solo sogar für Pisendel geschrieben. Die zu hörende Sonate e-Moll, BWV 1023, für Violine und Basso continuo wird mit ziemlicher Sicherheit von Pisendel gespielt worden sein, sie befindet sich als Abschrift in "Schranck No: II". Pisendels eigene Kompositionen sind, wie wir es später auch bei anderen komponierenden Virtuosen wie beispielsweise Paganini finden, Violinstücke mit höchsten, teils völlig neuen technischen Anforderungen, die er sich quasi auf den Leib schrieb, um sein gesamtes brillantes Können zu demonstrieren. Letztlich verdankte die Dresdner Hofkapelle ihren damaligen Ruhm vor allem Pisendels Unterrichts- und Konzertmeistertätigkeit und der damit verbundenen Disziplin: Er bemühte sich in der Auswahl und Erziehung der Musiker um eine einheitliche Schule und bezeichnete die Stimmen des Orchesters mit Strichen, so dass alle Bögen geordnet in die gleiche 24 Richtung strichen.

Ensemble NeoBarock
Georg Friedrich Händel besuchte Dresden 1719, um Sänger für die Aufführungen seiner Werke in London zu engagieren. Händels Kammermusikschaffen gipfelt in seinen Triosonaten, die er ab 1730 in zwei Gruppen, Opus 2 und 5, gedruckt veröffentlichte. Zu einem beträchtlichen Teil sind die Triosonaten Arrangements aus bereits vorhandenen Vokalwerken, meistenteils seiner berühmten Opernthemen. Die Sinfonia B-Dur ist nicht im Druck erschienen, und auch das Autograph ist verschollen, sie ist aber im "Schranck No: II." überliefert. Nicola Porpora ist am ehesten dadurch bekannt geworden, dass er 1733 von den Gegnern Händels nach London berufen wurde. Sie stellten ihm für seine Produktionen eine groίe Zahl an italienischen Musikern zur Verfügung, um Händel zu stürzen. Keinem der beiden Komponisten gelang es jedoch, den anderen endgültig aus dem Feld zu schlagen. 1737 war Porpora durch den Rücktritt einiger seiner Musiker gezwungen, nach Italien zurückzukehren. 1748 kam Porpora nach Dresden, wo am 18. Juli unter Hasses Leitung sein "Filandro", eine Pastoral-Komödie, aufgeführt wurde. 1748 wurde er zum Kapellmeister ernannt, erlebte aber 1749 die Demütigung, dass sein einstiger Schüler Hasse (in Neapel, 1722) zum Oberkapellmeister ernannt wurde. 1752 verließ er Dresden.
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