Freitag, 7. Oktober 2011, 20.30 Uhr
Birdland Jazz Club Neuburg
Freitag
7. Oktober 2011, 20.30 Uhr
Birdland Jazz Club Neuburg
Hasse mal Jazz
Baroque Jazz Quartet
Besetzung
| Eduard Spáčil | Piano, Künstlerische Leitung |
| Jaroslav Šolc | Flöte, Altsaxophon |
| František Uhlíř | Bass |
| Milan Vitoch | Schlagzeug |
Zum Programm
Es passiert mittlerweile zum zwölften Mal: Die Begegnung zweier eigentlich divergierender Idiome im Hofapothekenkeller. Diesmal sind es vier bemerkenswerte tschechische Musiker, die es als Ehre und Herausforderung zugleich betrachten, sich wie viele namhafte Kollegen zuvor im erlesenen Rahmen der 64. Neuburger Barockkonzerte auf die Suche nach der Quadratur des Kreises zu begeben, sprich den Jazz auf schlüssige, organische Weise mit der Musik des Barock zu vereinen. Die Grundvoraussetzungen dafür liegen auf der Hand: Fantasie, Virtuosität, Risikobereitschaft und die unbändige Lust an der Improvisation. Exakt aus diesem Grund unterhalten der Pianist Eduard Spáčil, der Flötist und Altsaxofonist Jaroslav Šolc, der Bassist rantišek Uhlíř sowie der Drummer Milan Vitoch das Baroque Jazz Quartet, die Nachfolgeformation einer in der Tschechischen Republik enorm populären und langlebigen Combo, die mit ihren instrumentalen Gleitflügen durch unterschiedliche Genres Maßstäbe setzte.

Birdland Jazz Club Neuburg
Eigens für die Neuburger Barockkonzerte haben die Vier, getreu des diesjährigen Mottos der Barockkonzerte, Kompositionen von Johann Adolf Hasse bearbeitet: die Triosonate C dur; "Ritornerai Fra Poco" und "Pallido Il Sole". Auch der Rest des Programms ist alles andere als "business as usual" und bietet Spannung sowie Kurzweil pur. Zu Pat Methenys Werk "Always And Forever" und Randy Aldcrosts "Breakfast Wine" laden Spáčil und Co. einfach Johann Sebastian Bach zum Musizieren ein. Daneben gibt es die "Suite" von Claude Bolling, Dave Brubecks "Blue Rondo Ala Turk", einige so noch nie gehörte Titel aus der Feder George Gershwins und andere Überraschungen. Die Musik des Baroque Jazz Quartet entsteht aus der Stille heraus. Und manchmal wird Stille selbst zur Musik. So gesehen öffnen sich ein ganzes Konzert lang unentwegt Pfade, die sich von der Stille entfernen und wieder zu ihr zurückführen.

Baroque Jazz Quartet
Mögen die einzelnen Stücke auf den ersten Blick noch so heterogen erscheinen, sie fügen sich schlussendlich zu einem dramaturgischen Fluss, einer ästhetischen Struktur, einem größeren kompositorischen Rahmen, der die Zuhörer nicht zuletzt auf improvisatorische Nebenwege lockt, die irgendwo abzweigen und vielleicht wieder im Strom der notierten Musik enden – oder auch nicht. Denn eines machen Eduard Spáčil, Jaroslav Šolc, František Uhlíř und Milan Vitoch auf verblüffend leichte Art begreifbar: Die Distanz zwischen Jazz und Klassik beträgt oft nur einen kurzen Blick.
Text: Reinhard Köchl